Was wir sehen – und was wir daraus machen: Über Verantwortung im Coaching

Was wir sehen – und was wir daraus machen: Über Verantwortung im Coaching

In der Begleitung von Menschen geht es nicht nur um Methoden. Es geht um Haltung. Um die Frage: Was mache ich mit dem, was ich wahrnehme? Wer im Coaching oder in der Therapie mit Techniken wie Körpersprachanalyse, Face-Reading oder Profiling arbeitet, trägt eine besondere Verantwortung. Denn die Fähigkeit, andere Menschen präzise zu „lesen“, ist ein machtvolles Werkzeug, das bewusst, sensibel und ethisch eingesetzt werden will.

Britta Diouf, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Profilerin und Ausbilderin für emotionale Fitness, hat einen klaren Leitsatz dafür:

„Es ist nicht entscheidend, was ich sehe. Entscheidend ist, welche Fragen ich stelle, damit der Mensch sich selbst sieht.“

Beobachten statt interpretieren

Ein häufiger Fehler im Umgang mit nonverbalen Signalen ist die vorschnelle Deutung. Wer glaubt, dass verschränkte Arme automatisch Ablehnung bedeuten oder ein fliehendes Kinn mangelnde Willensstärke zeigt, übersieht das Wesentliche: Kontext und Individualität.

„Der größte ethische Fehler ist, nicht zu beobachten, sondern sofort zu interpretieren“, sagt Britta. „Wir alle wollen Sinn in das bringen, was wir sehen. Aber wenn wir im Coaching voreilige Schlüsse ziehen, entziehen wir unserem Gegenüber die Möglichkeit, sich selbst zu erforschen.“

Deshalb beginnt verantwortungsvolles Profiling immer mit einer Baseline – dem individuellen Normalzustand eines Menschen. Nur wer diesen kennt, kann Veränderungen wirklich erkennen – ohne zu bewerten.

Intention ist alles

„Die wichtigste Frage lautet: Warum will ich das lernen?“, erklärt Britta. „Wer Profiling nutzt, kann Menschen gezielt unterstützen – aber auch manipulieren.“ Genau deshalb steht bei ihren Ausbildungen und Workshops die ethische Absicht im Zentrum. Es geht nicht um Deutungshoheit, sondern um Resonanz. Nicht um Kontrolle, sondern um Verbindung.

Denn: Wer Menschen in ihrem Ausdruck lesen kann, sieht nicht nur ihre Körpersprache – sondern auch ihre Verletzlichkeit.

Coaching heißt nicht: sagen, wie es ist

„Wenn mich jemand fragt: Was siehst du in meinem Gesicht? – dann ist meine Antwort: Es ist nicht wichtig, was ich sehe. Wichtig ist, was du selbst erkennen kannst.“ Britta geht es nicht darum, Menschen mit Analysen zu konfrontieren. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen Erkenntnis möglich wird.

„Es ist egal, was ich sehe oder nicht sehe. Genau da geht die Manipulation los. Wenn ich dir jetzt sage, was ich sehe, ist es schon relativ, im Grunde genommen. Darum geht es gar nicht. Sondern es geht darum, was kann dir helfen, damit du dich besser siehst?“

Dazu braucht es mehr als Fachwissen. Es braucht Achtsamkeit, Präsenz – und die Bereitschaft, nicht immer sofort zu wissen, sondern klug zu fragen.

Ethik beginnt mit dir selbst

„Das sage ich auch immer den Leuten, die Ausbildungen oder Workshops bei mir machen: Es geht nicht darum, dass wir anderen Leuten ins Gesicht knallen, was wir bei denen sehen. Das würde nur heißen, dass wir unser Ego füttern, um zu zeigen, wie toll wir sind”, erklärt Britta.

Wer als Coach oder Therapeut*in mit Menschen arbeitet, gestaltet Beziehung. Und Beziehung beruht auf Vertrauen. Das entsteht nicht durch Diagnosen, sondern durch Begegnung auf Augenhöhe.

Je schärfer unsere Wahrnehmung, desto größer unsere Verantwortung.
Denn letztlich ist es nicht das, was wir sehen, das den Unterschied macht – sondern was wir daraus machen.

Reflexionsfrage für deine Praxis

Wenn du mit Menschen arbeitest – sei es im Coaching, in der Therapie oder Beratung –, stell dir regelmäßig diese Frage:

Nutze ich mein Wissen, um zu verstehen – oder um zu bewerten?
Denn genau hier entscheidet sich, ob deine Wahrnehmung Brücken baut oder Mauern errichtet.

Mehr von Britta Diouf

Wenn du selbst lernen möchtest, Körpersprache, Mimik und Energie präziser zu lesen – und dabei eine ethisch fundierte Haltung zu entwickeln –, findest du bei Britta vielfältige Angebote:

  • Seminare & Workshops zu Profiling, Körpersprache und Face-Reading
  • die Academy für emotionale Fitness (empractise) mit Ausbildungen für Coaches und Therapeut*innen
  • Einzelcoachings und Supervision

Mehr Informationen und Kontakt:
www.empractise.de
hello@empractise.de

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